14.04.03
Endlich, und doch nicht (UR: vorgänge / proceedings)
Wir überschreiten die Grenze.
Wir notieren: der Hafen von Tahiti, am 14.April des Jahres 2003; gestern fuhr ein Containerschiff ein, wir waren gespannt, und dann heute dies: die Queenelisabeth in all ihrer Pracht.
Wir überschreiten die Grenze.
Aber die Grenze bewegt sich mit uns mit.
Wir jagen der Überschreitung bis ans Ende der Welt nach. Bis ans Ende der Welt flüchten wir vor unserer Umgebung. Aber die Welt, die wir verlassen, lässt uns nicht hinter sich. Wir hoffen das Fremde zu erreichen. Im Fremden hoffen wir Erfahrung. Etwas, das zu durchforschen ist. Wir durchwandern das Fremde.
Klug ist der Erfahrene.
Vom Fremden erhoffen wir Rettung. Das Fremde aber fürchtet den Fremden. Das Fremde aber erweist sich als der Zustand, dem wir zu entkommen hofften. Wir erreichen das Fremde nicht. Wir kehren daher immer wieder zurück.
Wir kehren zurück und tragen das Zeichen des Jenseits.
Wir notieren: das Zeichen des Jenseits: eine Bucht auf einer Insel im Pazifischen Ozean. Polynesien heißt das Kreuz, das wir auf unseren Schultern tragen.
Wiederholt geht uns dieser Satz durch den Sinn.
Wir kehren zurück.
Wir stehen von den Toten auf.
Wir kehren zu den Toten zurück.
Wir verabscheuen Reisen und Forschungsreisende.
Früher haben wir sie herbeigesehnt.
Aber jetzt stimmen uns Erinnerungen traurig.
Wir notieren: Reisen sind ein trauriges Vergnügen. Wir schwanken zwischen Mission und Zuflucht. Wir sind nirgends zu Hause. Unsere Seele ist verstümmelt.
Wir werden geboren.
Wir sind zum Weltbeobachter geboren.
Quelle: Queenelisabeth in Tahiti
posted by WIR @ 11:55:12
Comments (0)
|