27.03.03
spieglein, spieglein (UR: gelände / areas)
Heiliger Anton, was sehe ich da?! Nennt sich neu gefundenes Land, in Wirklichkeit ein Haufen alter Geschichte. Time-Warp, Blick zurück, dieses Guckfenster entpuppt sich als Zeitmaschine. (Und im Innersten der Puppe, dear Babuschka, womöglich ich?)
Hier der Beweis, da ist ein Turm. Wie bei uns. Eine Oststraße, eine Nordstraße, eine Weststraße und der Hafen. Wie bei uns. Im Süden das Lichthaus, wie bei uns. Eine Power-Pflanze – Lantana! In der ganzen Stadt nur eine Ampel, in unserer Siedlung sind es inzwischen zwei. Das Mac-Haus, wo die Äpfel lagern. The Annex, der Nachtrag (folgt später).
Es ist noch Winter, wie der Schnee verrät. Niemand auf der Straße um halb zehn Uhr morgens. Genau wie bei uns. Das gleiche beschauliche Leben. Der gleiche minutenlange Stillstand. Die immerwährende Hoffnung, dass sich endlich etwas Spektakuläres tut. (Und täte es das, sähe man es sowieso erst später.) Aus den Minuten werden Stunden, Tage, Hundstage, Labrador.
Eine Aussicht auf es war einmal. Früher alles besser, sagt man, nur finde ich keinen Unterschied. Vorher, nachher. Der Himmel blau, die Giebel spitz, die Pfosten senkrecht. Die Straßenkreuzung, an der man steht und wartet, dass der Bus kommt oder der Briefträger auf dem Fahrrad mit einer geheimen Botschaft im Gepäck, einer Zukunftsversprechung, einem Gruß aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Welt; und nicht schon wieder nur offene Posten.
An- und Nachtrag: Liebe Babuschka (so hieß meine Großmutter), falls du dies zufällig liest, sende ein Zeichen. Wir können leider derzeit nichts empfangen. Vermutlich. Versuche es dennoch. Schicke bitte auch ein Bild von dir, damit ich mich wiedererkenne.
Quelle: St. Anthony, NF. Best viewed: mit Geduld.
posted by savadee @ 00:26:08
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