17.03.03
medien kitz (UR: personen / persons)
Der Kitz ist ein Kitzel. Ein Kürzel für Kitzel. Der Kitzel wiederum ein Verkürzel für Lebenszeit. Für Sendezeit. Ein mittels Seh- und Sendemedium verkürzelndes Späßle. Auf dass kein noch so kurzes Weilchen uns lang werde. Auf dass man sich prompt amüsiere.
Der Medienkitz frisst sich durch die Eingeweide der Städte, scheißt ganze Straßenzüge zu, klebt sich an Lampenpfosten, lauert im Dunkel der Zebrastreifen, bohrt seine Kitzlerwerkzeuge in die Wände der Häuser, legt Nerven bloß von Bewohnerinnen und Bewohnern. Nagt an Geduldsfäden bis sie, so gespannt sind sie, reisen. Mein Faden auch; der rote. Worauf wollte ich nur hinaus?
Hinaus zur Innenstadt Nord. Dies aber zur Warnung – denn anders kann nicht erklärt werden, was nun folgt – der Medienkitz ist ein arg listiger Virus. Ich befürchte fast, er hat schon weite Teile des Großen Systems befallen. Das Beobachtete reagiert! Gestern ein Fischröllchendreher (siehe Aktenzeichen 14/03/03), heute ein Passant auf dem Fußgängerüberweg. Geht nicht hinüber, bleibt einfach stehen. Bleibt stehen und wirft beide Arme in die Lüfte. Freudig oder verzweifelt, Gruß oder Kapitulation? Aus einer Parklücke schießt ein PKW. Der Passant schießt zurück. Alle anderen werfen sich flach auf den Boden. Was soll das? Wildwestmentalität jetzt auch im Norden. Der PKW ist weg und der Passant springt wieder und weiter wild herum. Er sieht ein bisschen aus wie unser Mikkel. Dieselben ausschweifenden Gesten, dasselbe Ungestüm. Er trägt sogar Mikkels Mütze. Ich kann mich täuschen. Ich MUSS mich täuschen: Diese Unregelmäßigkeit ist unmöglich!
(Man sollte die Kitzkamera mit einem Virenscanner konfrontieren.) (Man sollte Mikkel mit meiner Beobachtung konfrontieren.)
Gelegentlich muss man in Unmögliches investieren. Momente je eigener Wahrheit wagen. An den weltweiten Gruß glauben und nicht an die Kapitulation.

Kitzcam, klicken: Kamera Innenstadt Nord; best viewed 0 - 24 Uhr
posted by savadee @ 00:48:10
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