28.04.03
knäcka legato (UR: bärte / beards)
Das Große System – wo fängt es an, wo endet es, hat es Grenzen, Zentrum, Hauptquartier? Von welcher Beschaffenheit ist seine Konsistenz, welche Untaten verleihen ihm Permanenz? Hat es eine Adresse? Einen Willen, ein Wollen? Welche Aufmerksamkeit sollten wir dem überhaupt zollen?
Wie lange muss es kochen, wie lange hält es frisch? Ist es verschworen, schockgefroren? Getrocknet - zwiegebacken? Ist es die Rettung, wenn nichts mehr geht, nichts anderes mehr im Vorratsschrank steht?
Ist das Große System ein Kompromiss, die Fusion zweier Pole, Nord-Süd Connection, Achse des Bröselns, Italophiles Schwedendesign, mit dem Lineal gezogen ein Strich, ein roter Zwirnfaden, um Gehirnhälften geschnürt, eine Krümelspur, die im Märchenwald hinter Gitterstäbe führt?
Arbeitshypothese: Nehmen wir an, das Große System wohnte in einem Hotel. A modern hotel fillled with nostalgia. Oder in zweien, Hotel Hotelli; gleichzeitig, immer gleichzeitig. Und gleichzeitig auch nehmen wir an, in der Mitte (des Großen Systems) befände sich ein Loch, durch das die Annahmen sofort ins Nichts rutschten. An allen Rändern grieselts.
Eine Kreuzung, ein Halteverbot, ein wartendes Taxi. Das Rote ist in dieser Wirklichkeit der vorn offene Mantel eines Mädchens mit langem Haar. Auf dem Fahrrad fährt sie aus dem Bild. Und könnten unsere Blicke wie sie aus dem Bild fahren, würden wir wie sie nach Hause kommen, wo ein Mann wartet hinterm Dreitagebart. Wie sie lassen wir den Mantel von den Schultern gleiten, setzen uns an den Küchentisch, legen die Hände in den Schoß. Der Mann bringt zwei Teller Penne Arrabiata, sie lächeln sich an, sie hobelt etwas Wange über Bartstoppeln, jeder bricht ein Stück vom Knäckebrot, dann beginnen sie zu zu essen.
Wir aber, weil unsere Hypothese metaphorisch verfasst, müssen hungrig bleiben. Gierig hängt jeder Augenblick im Rahmen seiner möglichen Fortgänge. Wir öffnen die Tür zum Hotel, steigen die Treppen hinauf, werfen ein prüfendes Auge in die Zimmer und in die Doppelzimmer zwei. Aber jedesmal, wenn wir versuchen einen outside view zu erhaschen, um endlich hinaus zu schauen, endlich hinaus!, sehen wir nur wieder das Hotel, das Hotelli von außen.
Und so wird sich kein Rückschluss je als richtig noch als falsch erweisen, und wir mit unseren Beobachtungen niemals in jenen simultanen Aggregatzustand von knusprig und weich zugleich gelangen, aus dem heraus wir mit Sicherheit behaupten könnten, das Große System habe in der schwarzen Limousine gesessen, die am späten Nachtmittag die Stadt mit unbestimmtem Ziel verließ.
(Siehe hierzu auch die Notiz zur glücklichen Zwiespältigkeit; ehem. Knäckebrot vs. Pasta / der Fall Barilla Wasa.)
Quelle: Hotel Hotelli Gustav Wasa
posted by savadee @ 01:08:48
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