29.05.03
hell, absolut (UR: vorgänge / proceedings)
Und eines Tages schlägst du die Augen auf wie ein neues Buch, in dem noch nichts gelesen ist außer dem ersten ungeschriebenen Satz, der heißt, wie er in allen Büchern heißt: Bitte umblättern.
Und du weißt, dies ist der Tag.
Nicht einer jener spektakulären Tage, an denen sich im Nachhinein angeblich alles grundlegend änderte. Nein. Einfach nur ein ganz gewöhnlicher Bitte-umblättern-Tag – Reload, wie wir hier sagen.
Gestern am Abend bist du noch vorne am Strand gesessen, hast dem Sonnenuntergang beim Untergehen zugeschaut. Hast dir gedacht, welche Schönheit doch in so einer täglichen Untergangsroutine liegen kann. Nur deine eigene Routine, an der, hast du gedacht, ist nichts Schönes mehr dran. Da hat es dir schon in den Fußsohlen gekribbelt, reload, noch bevor das Wort – und jedes daraus folgende Wort – zu seinen Buchstaben fand.
Später mit dem Translator in der Kantine gesessen. Einst erzeugten seine Übersetzungen bei dir jenes Kribbeln knieaufwärts (aus dem allerdings NIE etwas folgte!). Ihr habt zusammen gelacht wie immer. Über die kleinen Schismen in den Ritzen und Spalten, die da aberwitzig lauern. Lauern in den Abgründen von jetzt auf später.
Das Kribbeln im Hirn bei solchen Überlegungen, das hat auch nachgelassen. Lange schon. Deine Euphorie bei aller Theorie. Bitte umblättern.
Du spülst deine Tasse. Stellst sie mit der Öffnung nach unten in den Tassenschrank. Wegen des Staubs. Dem Staub der kommenden Jahre. Du wirfst einen letzten Blick aus dem Fenster, unten zerschellt er mit der Brandung an der Ufermauer. Weinst ihm eine kleine Träne nach, aber nur eine klitzekleine. Denn dies ist der Tag. Morgen ist dein Jetzt schon ein Museum.
Quelle: Musée de la mer.
Heute früh sah es noch so aus:
posted by savadee @ 00:26:23
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